27.02.2021

Swiss Music Awards

Doppelte Ehre für Loco Escrito

Ohne Publikum zwar, aber immerhin im Zürcher Hallenstadion, sind am Freitagabend die 14. Swiss Music Awards verliehen worden. Mit zwei Trophäen hat sich Latino-Sänger Loco Escrito den Titel des Abräumers verdient.
Swiss Music Awards: Doppelte Ehre für Loco Escrito
Der Schweizer Popmusiker Loco Escrito erhält die Betonklötze für Best Male Act und Best Hit an den 14. Swiss Music Awards. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Ende Februar 2020 gehörten die Swiss Music Awards (SMA) zu den letzten Grossveranstaltungen vor dem Lockdown (persoenlich.com berichtete). Ein Jahr später eröffnete Moderator Nick Hartmann die 14. Ausgabe vor leeren Rängen und sprach vor einer «unglaublichen Atmosphäre».

Dass es vor allem eine unglaublich merkwürdige Atmosphäre war, zeigte sich etwa, wenn die Live-Acts auf der kargen Bühne standen. Oder als die Bandmitglieder von Patent Ochsner in auf Sicherheitsabstand gehaltenen weissen Sesseln sassen. Die Steifheit war bis in die Wohnzimmer hinein zu spüren.

Die Berner Band um Frontmann Büne Huber war nach Zürich gereist, um 30 Jahre nach der Veröffentlichung des Debütalbums «Schlachtplatte», den diesjährigen Outstanding Achievement Award entgegenzunehmen. Laudator Bänz Friedli, Autor, Kabarettist und der erste Journalist, der je über Patent Ochsner geschrieben hatte, würdigte sie mit persönlichen Anekdoten und anerkennenden Worten.

Für Büne Huber klang das alles ein bisschen «nach Altersheim». Man höre geradezu, wie jemand sage: «Packt das Köfferli und geht in die geriatrische Abteilung». Dennoch freute er sich über die Auszeichnung für sein Lebenswerk, den siebten Swiss Music Award in der Sammlung. «Wir haben vor allem Glück gehabt.»

Wichtig für die Kultur

Nach 148 Jahren – so lange machen die fünf Bandmitglieder zusammen schon Musik – gewannen die Mundart-Hardrocker Megawatt den Titel Best Breaking Act. Die längst erfolgreiche und heuer doppelt nominierte Rockband Gotthard durfte in der Kategorie Best Group ihren insgesamt vierten Pflasterstein entgegennehmen. Dafür bedankte sich Sänger Nic Maeder mit einer mindestens viersprachigen Spontanrede, wonach Gitarrist Leo Leoni mit dem Fazit schloss, dass «die SMA sehr wichtig für unsere Kultur» seien.

Einer, der die Veranstaltung schon kritisiert hatte, weil sie vor allem den Musikerinnen und Musiker diene, die ohnehin schon erfolgreich seien, ist der Berner Musiker Trummer. Er war denn auch massgeblich daran beteiligt, dass 2015 die Kategorie Artist Award eingeführt wurde. Eine Sparte, bei denen Künstlerstimmen und nicht Verkaufszahlen den Sieger oder die Siegerin definieren.

2021 gewann der Singer-Songwriter diesen Preis nun selber. Wie die Walliser Sängerin Sina in der Laudation sagte, gehört Trummer «zu den poetischsten Musikern der Schweiz». Er sei «einer von denen, bei denen man denkt, dass die Musik ihn gewählt hat und nicht umgekehrt».

Escrito zum Dritten

Als Best Female Act wurde einmal mehr Beatrice Egli ausgezeichnet. Sie hatte den Titel bereits 2015 und 2017 gewonnen. Die Schlagersängerin, die ab dem 3. März in der zweiten «Sing meinen Song»-Staffel zu sehen sein wird, sang ausserdem ihr Lied «Mini Schwiitz, mini Heimat». Auf den Titel werde sie oft angesprochen, erzählte sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA kürzlich am Medientag zur Sendung. Weil er offenbar auch ein Publikum anspreche, das nicht viel für Schlagermusik übrig habe.

In der Kategorie Best Album stach der Männerchor Heimweh die Rockband Gotthard und den Berner Bluesmusiker Philipp Fankhauser aus. Als Best Male Act 2021 wurde Latino-Sänger Loco Escrito ausgezeichnet, der bekannt dafür ist, spontane, emotionale Dankesreden zu halten. Diesen Stein widme er seinem «Papà», sagte er mit dem dritten Klotz seiner Karriere in der Hand. Sein Vater sei in seinem Leben nicht immer so gut davon gekommen wie er.

Zum Ende der auf 3+ übertragenen Sendung räumte er dann auch noch in der Kategorie Best Hit ab – zum dritten Mal in Folge. Er nutzte den Moment, um die Laudatio von Slam-Poetin Lara Stoll zu kritisieren, die seiner Meinung nach nicht gesagt hat, dass es für einen Hit mehr als ein paar Akkorde und einen plumpen Text brauche. Und zwar «Mut und grosse Träume». (sda/cbe)

(Von Miriam Lenz, Keystone-SDA)

 



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Kommentare

  • Markus Gabriel, 01.03.2021 15:01 Uhr
    In jeder Generation herrscht Bedarf an einem singenden Latin Lover. Schön, dass auch mal ein Schweizer diese wichtige Rolle ausfüllen kann. Dass es dann sogar zu einem Preis für den besten Song reicht, kann man dem Preisträger nicht vorwerfen; höchsten dem wählenden Land, das halt auch musikalisch ein sehr kleines ist. Man kann ihm auch nicht vorwerfen, dass er das Prinzip Satire nicht begreift, wo diese doch rein gar nichts zur Heroisierung des Preisträgers beiträgt. Da ist es doch nur couragiert, dass er das Mikrofon ergreift und auf dem Höhepunkt der Sendung dieser ahnungslosen Blondine, die ja bloss mal einen österreichischen Stier gewonnen hat, die Leviten liest. Ein Super-Typ, dieser Escrito.
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